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Hier arbeitet der Künstler Ralph Herrmann
Alle Arbeiten von Ralph Herrmann, die in den vergangenen 20
Jahren entstanden sind, haben den Himmel, die Wolken das Licht
zum Thema. "Das Formen des Formlosen" seinem Werk als Titel
voran gestellt, nimmt Bezug auf seine Gestaltung von Himmelslandschaften.
Herrmann koppelt die Elemente Himmel, Wolken, Licht aus der
Landschaft aus und isoliert sie. In der traditionellen Landschaftsmalerei
dienen diese Elemente als Träger von Stimmungen und Symbolik,
die eng an den Landschaftstyp, den Ort oder das Bildthema gebunden
sind. Bei Herrmann hingegen sind Licht und Wolken aus jedem
zeitlichen und örtlichen Kontext herausgelöst. Sie beziehen
ihre gestalterische Kraft nicht aus dem wie auch immer eingesetzten
gegenständlichen Bezug oder im formalen Sinne aus der Bildkomposition,
sondern allein aus der malerischen Behandlung und Wirkung von
Farbe, Licht und Räumlichkeit. Eigentlich repräsentieren diese
Wolkenbilder einen Widerspruch in sich. Einerseits sind sie
Momentaufnahmen unsteter, veränderlicher Erscheinungen, die
dargestellten Wolken, das Licht, die Farben werden sich im nächsten
Augenblick schon wieder gewandelt haben. Andererseits können
die Bilder aber auch als Ausdruck ewiger, immer wiederkehrender
Gesetzmäßigkeit gedeutet werden. Sie sind statisch und dynamisch,
beständig und flüchtig zugleich. Inhaltlich sind Herrmanns Bilder
realistische Landschaft- oder besser Naturdarstellungen, er
verzichtet jedoch auf konkrete Gegenständlichkeit, er führt
uns keine landschaftlichen Sehenswürdigkeiten vor, sondern nur
Immaterielles, Bewegung, Veränderlichkeit, Licht und Farbe.
Ähnlich wie die Romantiker, wie Turner, Constable und die Impressionisten,
stellt er die traditionelle Landschaftsmalerei in Frage. "Mehr
als die Malerei scheint die heute maßgebliche Literatur das
zu bestätigen, und wenn auch nur in der Gestalt eines ihrer
wesentlichen Autoren. Als eine Erfindung des Unten schrieb Rolf
Dieter Brinkmann Sätze über die Wolken, die in ihrer übergroßen
Schärfe mehr erkennen lassen, als nur die Intensivierung der
Gegenwart durch das Ferne, das Seltene, Wunderbare, Geheimnisvolle...
Weit in der Ferne ziehen Wolkenschwaden in langen schleppenden
Bewegungen wie Matten aus den Niederungen vor einer Bergkette
her. Prähistorische und posthistorische Landschaften, fern,
in der Luft im Raum schwebend, und die Augen dringen weiter
in den abenteuerlichen großen Raum ein, der menschenleer ist,
zerbrechende Formen, ungehauene Formen aus Licht, ohne Wörter
ohne Sprache, ohne Verbote, Stürze von Helligkeiten, fern im
Raum...
1820 veröffentlichte Shelley das Gedicht : The Cloud
Ich bin von der Erde und dem Meer geboren / Ein Pflegling der Luft, ich fliehe
Durch des felsigen Strandes, des Meeres Poren / Ich wandele mich, sterbe nie
Denn wenn nach dem Regen klar und rein / Das Zelt des Himmels zu schaun
Und der fegende Wind und der Sonneschein / Die luftigen Dome erbaun,
Lache ich still meines Grabmals in blauer Luft / Und aus Regens Gruft kehre ich wieder"
Auszug aus der FAZ Nr. 257, Rainer-Michael Schaper "Wolkenbilder "
Himmel und Wolken erscheinen als letzte vom Menschen und seinen Eingriffen und
Zerstörungen, scheinbar unberührte Natur. Diese bewusste Ausklammerung des Menschen
und der Spuren seiner Tätigkeit bedeutet Kritik an unserer heutigen Zeit. Wer
das Erhabene sucht, findet es nicht mehr auf der Erde. Himmel und Wolken werden
zum letzten Refugium einer romantisch orientierten Naturdarstellung, die es
vermeidet, Idyllisierend oder verlogen zu sein. Denkbar ist auch, letztendlich
die völlige Auslöschung durch eine akute oder die allmähliche ökologische Katastrophe.
Der Mensch hätte dann sein fatales Streben vollbracht: Er hätte sich für die
Vertreibung aus dem Paradies, mit dessen Zerstörung gerächt.
Mögen diese Bilder daran erinnern, dass die Natur zwar ohne den Menschen, der Mensch aber nicht ohne die Natur existieren kann
Reinhard Hellrung, Museum Gelsenkirchen