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16.07.2012 - 08:11 • Energie | Nachrichten

Gemüse aus der Großstadt: Fraunhofer Institut mit Lösung für urbane Landwirtschaft

Nicht zu jedem Haus gehört ein Garten. Trotz der Flächenknappheit wäre es aber wünschenswert, Gurken und Tomaten auch in der Stadt zu ernten. Doch wenn man hoch genug greift, kann man auch über Straßenschluchten ernten: Die Flachdächer vieler Gebäude eignen sich für den Gemüseanbau, beweisen die Forscher am Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen.


Im Gebäudekomplex "Blue Sea Development" in New York City wird zurzeit ein Modell der integrierten Landwirtschaft umgesetzt. © Fraunhofer Institut UMSICHT

„Wir entwickeln in unserem Projekt inFarming - kurz für integrated farming - Lösungen für die urbane Landwirtschaft, die man rasch umsetzen kann. Unser Ziel ist es, bestehende Bauten für den Anbau von Gemüse zu nutzen“, erklärt der Projektleiter Dipl.-Ing. Volkmar Keuter. Das habe eine Menge Vorteile: kein zusätzlicher Flächenverbrauch, und Transportkosten entfallen fast vollständig. Zudem reduzierten sich durch diese Anbauweise schädliche Emissionen, wüchsen Obst und Gemüse dort, wo sie verzehrt werden könnten. Die Forscher haben herausgefunden, dass Hausdächer ideale Quellen sind, um Radieschen, Rettich und Rosenkohl anzupflanzen.

Es wird wenig Wasser verbraucht, denn der kleine Bauernhof auf dem Dach bildet ein geschlossenes System. Ansonsten reicht, was vom Himmel fällt. Wertvolles Trinkwasser wird nicht benötigt. Und damit die Dächer nicht unter ihrer Last zusammenbrechen, steckt man die Pflanzen in Mineralwolle oder hängt sie frei in die Luft und führt ihnen über einen dünnen Wasserfilm die Nährstoffe zu. Das dient nicht nur der Gewichtsreduktion, sondern hat noch einen weiteren Vorteil: „Der Ertrag ist zehnmal höher“, berichtet der Forscher. Allein 1200 Mio. Quadratmeter Flachdach gibt es bei Nicht-Wohngebäuden. Pflanzte man auf nur einem Viertel Nahrungsmittel an, gäbe es nicht nur Frischgemüse vor Ort, sondern es würden alljährlich rund 28 Mio. Tonnen CO2 gebunden. Nach vielen Erfahrungen in den USA, vor allem in den Metropolen Los Angeles und New York, erschließt das Fraunhofer-Institut jetzt in Duisburg ein Anwendungslabor für diese Dachbegrünung.

Dabei geht es bei der Forschung nicht um futuristische Träumereien, sondern um handfeste Anwendungspraktiken: „Unser gewählter Ansatz ist eine Möglichkeit, Regionalität, CO2-Minimierung und Kreislaufdenken bei der urbanen Gemüseproduktion zu integrieren“, so Simone Krause, Mitarbeiterin des Forschungsteams. Ziel ist es, dass diese Idee viele Früchte trägt. „Grundsätzlich kann man den inFarming-Ansatz natürlich auch im privaten Bereich verwenden. Ideen der urbanen Landwirtschaft sind häufig über das private Engagement getragen, z. B. in Kleingartenkolonien, etwa in Berlin oder im Ruhrgebiet oder die Prinzessinnengärten in Kreuzberg“, so Keuter.

Immer mehr Bauherren erkennen die vielen Vorteile von zusätzlichen Nutzflächen auf Dächern. Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. hat die Flächenanteile von extensiven und intensiven Dachbegrünungen in Deutschland für die Jahre 2008 bis 2010 ermittelt. Der Verein geht davon aus, dass der Anteil an extensiv begrünten Dächern im Jahr 2008 bei 88,6% und der Anteil an Intensivbegrünungen bei 11,4% lag.

Weitere Informationen zu Gemüsepflanzen auf dem Dach und über Dachbegrünung unter www.infarming.de, bei der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e. V. unter htttp://www.fbb.de, auf der Plattform für Dachbegrünung unter http://www.gruendaecher.de sowie bei den bonus & more Partnern. Kontakt: Dipl.-Ing Volkmar Keuter l Telefon +49 208 8598-1113 volkmar.keuter@umsicht.fraunhofer.de

Buchtipps

Frisches Grün auf alle Dächer: Gelungene Beispiele für Oasen am und auf dem Haus präsentiert das Buch  Dachterrassen und Balkone. Wer diese Orte gestalten will, muss einige Besonderheiten berücksichtigen. Wie es gelingt, trotz technischer Besonderheiten Wasserversorgung und Windsicherheit einen privaten Freiraum zu gestalten, entdeckt man in: Dachterrassen und Balkone: Das große Ideenbuch von Manuel Sauer, Helmut Reinelt (Autoren) und Jürgen Becker (Fotograf), erschienen im Becker Joest Verlag, Hilden 2012, 168 Seiten, 39,90 Euro.

Christa Müller (Hg.) Urban Gardening. Der Band versammelt 22 Aufsätze verschiedener Autoren und streift nahezu alle Facetten des Stadtgärtnerns vom Erhohlungsnahraum bis zur Ernährungssouveränität. Die Qualität der Beiträge schwankt naturgemäß; die meisten analytisch, die wenigsten geschwätzig. Der Schwerpunkt liegt auf zeitdiagnostischen Analysen. Interessant sind Beispiele aus Berlin, Leipzig, Dessau und Kuba.


 
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